In der berühmten Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig wird das Liebesgebot so wiedergegeben:
„Liebe deinen Nächsten – denn er ist wie du.“ (Statt: „Wie dich selbst“).
Daran musste ich denken, als ich das obige Juni-Wort las. An die Misshandelten sollen wir denken in dem Bewusstsein, dass sie an ihrem Körper Schmerzen ertragen müssen, bei denen jeder von uns schreien, weinen, winseln, verzweifeln würde! Nein, es ist bestimmt nicht schön, sich solch grässliche Dinge vor Augen zu führen. Das Ganze einfach zu verdrängen ist da die naheliegende und herrlich bequeme Alternative, welche die meisten von uns wählen. Übrigens ich auch.
Unser Wort aus dem Hebräerbrief ist ein Appell an unser Mitleid bzw. unsere Empathie für die verfolgten Christen, aber letztlich für alle Opfer von Gewalt. Nein, wir können ihnen kaum wirklich helfen; immerhin können wir aber dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten; wir können für sie beten; und wir können Hilfsorganisationen wie z.B. „Open Doors“ mit unserer Spende unterstützen.
Und in dem wir uns ihr Leiden vor Augen führen, können wir zusätzlich lernen, unsere eigenen „Leiden“ zu relativieren! Was sind wir Deutschen des Jahres 2026 doch für ein weinerliches und mimosenhaftes Volk: Wir jammern auf hohem Niveau und unsere angeblichen Probleme sind allzu oft – nicht immer! – Luxusprobleme! Das stelle ich in Gesprächen immer wieder fest.
Von daher: Denken wir an die Misshandelten, wie uns der Hebräerbrief lehrt! Und seien wir dankbar für jeden Schmerz, den wir NICHT ertragen müssen!
Uns allen einen gesegneten Sommeranfang!
Euer Pfr. Lorenz Künneth
