Seit 2001 gehört zur bunten Radiolandschaft das Christliche Radio München. Da es u.a. auf der UKW-Frequenz 92,4 sendet, heißt es offiziell CRM924. Redaktionsleiterin ist seit Sendebeginn (mit einer familienbedingten Unterbrechung) die in Schweden aufgewachsene Journalistin Annika Eller.
Liebe Annika, Du hast schon in Schweden für‘s Radio gearbeitet und bist jetzt verantwortlich für das Christliche Radio München. Zunächst mal ganz persönlich gefragt: was reizt Dich am Radio?
Es ist ein so schnelles und authentisches Medium. Mir gefällt es, mit Audio zu arbeiten, Stimmen zu lauschen und beim CRM924 mischen wir zudem aktuelle Musik hinzu. Vor allem mag ich Livesendungen mit spannenden Gästen. Die erfordern höchste Konzentration, geben aber auch einen besonderen Kick: ich habe dann eine direkte Verbindung zu den Hörern – sie sind im gleichen Moment auch dabei (wenn sie nicht Wiederholungen oder Podcasts einschalten, versteht sich).
Das Christliches Radio ist 2001 auf Sendung gegangen. Wie würdest Du das wichtigste Ziel des Senders beschreiben?
Natürlich freuen wir uns, dass viele Christen unseren Sender hören. Sie schätzen sowohl Themen für den Alltag, Zeugnisse und Gottesdienste, als auch die Musik und die Veranstaltungshinweise. Unser wichtigstes Ziel ist es aber, Menschen, die sonst keinen Kontakt zur Kirche oder Christen haben, zu errei-chen. Wir wollen ihnen zeigen, was Christsein heute bedeutet und sie ermutigen, Jesus kennen zu lernen.
In der Radiolandschaft gibt es den Bayerischen Rundfunk und große private Anbieter wie Antenne Bayern. Was kann ein kleiner Sender wie das Christliche Radio da leisten?
Es stimmt, dass wir wöchentlich nur 22 Stunden on Air sind (UKW und DAB+). Trotzdem haben die letzten Funkanalysen, bei denen Menschen nach ihrer Radionutzung gefragt wurden, ergeben, dass wir bis zu 30.000 Leute im Monat erreichen. Dazu kommen das Internet und Podcasts. Das ist deutlich mehr als die meisten Kirchen erreichen. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir zu den Menschen hingehen und in den Medien mitspielen. Das Radio einzuschalten ist zunächst mal ganz unverbindlich und anonym. Das ist für manche viel leichter, als in eine Kirche zu gehen, wenn ich nicht entsprechend sozialisiert bin oder jemanden kenne. Aber wer interessiert ist, kann dann Kontakt zur Redaktion, zu Predigern oder Gemeinden aufnehmen.
Welche Reaktionen bekommt Ihr?
Am meisten bewegt hat mich bislang, als wir ein Interview mit Pfarrer Manfred Staude führten, nachdem seine Frau Barbara gestorben war. Er erzählte sehr persönlich über seine Trauer, aber auch über seine Hoffnung und Zuversicht, dass Gott noch etwas mit ihm vorhat. In diesem Moment war eine Frau im Auto unterwegs, die gerade ihren Mann verloren hatte. Sie zappte in unser Programm, war sehr berührt und hat sich bei uns bedankt. Ich denke auch an eine Frau, die mit Depressionen zu kämpfen hatte. Beim Aufräumen fand sie ein altes Radio und schaltete es ein. Aus Zufall war genau unsere Frequenz 92,4 MHz eingestellt, obwohl sie uns noch nie gehört hatte. Sie fand Trost und Hoffnung durch unsere Sendung. Ein Mann hat das Radio auf dem Nachtkästchen an einem Sonntagmorgen eingeschaltet und meinte zuerst, es wäre B2. Dann fand er es doch etwas anders, persönlicher vom Glauben gesprochen und sagte uns am Telefon: Wenn alle Predigten so wären, wären die Kirchen voll. Schön ist auch, wenn Menschen direkt Kontakt mit Gemeinden aufnehmen und vielleicht an einem Alphakurs teilnehmen – das erfahren wir aber oft erst später.
Das Christliche Radio wird zum überwiegenden Teil von Ehrenamtlichen gestaltet. Welche Form der Unterstützung wünschst Du Dir?
Den Löwenanteil stemmen tatsächlich die drei Honorarkräfte. Aber wir haben rund 15 Ehrenamtliche Mitarbeiter, die unterschiedlich oft dabei sind. Im Moment brauchen wir sowohl eine neue Honorarkraft für Moderation und Produktion als auch Ehrenamtliche, die je nach Begabung eingesetzt werden. Wir haben offene Stellen in den Bereichen Sendetechnik, Audioproduktion, Musikverwaltung, Social Media, Moderation und IT-Betreuung. In den Startlöchern stehen wir übrigens mit einer App und einem 24 Stunden Internetstream, es gibt also einiges zu tun.
Zugleich sind wir auf Unterstützung im Gebet und natürlich auch auf Spenden angewiesen. An dieser Stelle vielen Dank für die bisherige Unterstützung aus der Paul-Gerhardt-Kirche.
Die Fragen stellte Hans-Joachim Vieweger
Weitere Informationen und Kontakt: www.christlichesradio.de
Artikel aus dem Gemeindebrief Herbst 2025, dort finden Sie auch weitere Artikel zu dem Thema.

